Trump löst neue Kontroverse aus: Solar- und Windprojekte könnten vor einer „Notbremse“ stehen
Am 20. August gab Präsident Donald Trump auf Truth Social eine weitere kühne Erklärung ab: Er behauptete, seine Regierung werde selbst in Regionen mit Stromknappheit keine neuen Solar- oder Windenergieprojekte mehr genehmigen. Er erklärte: „Wir werden keine Wind- oder Solarprojekte mehr genehmigen, die Ackerland zerstören. Die Ära der amerikanischen Dummheit ist vorbei!“
Diese Aussage löste in der Branche Schockwellen aus. Erst im vergangenen Monat hatte die Bundesregierung die Genehmigungsverfahren für Projekte im Bereich erneuerbare Energien verschärft. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei Innenminister Doug Burgum. Projekte, die zuvor reibungslos verliefen, drohen nun gestoppt zu werden. Trumps jüngste Äußerungen haben die Sorgen der Unternehmen in der Branche weiter verstärkt.

Erneuerbare Energien als Sündenbock?
Trump macht saubere Energien für die steigenden Strompreise verantwortlich. Er argumentierte, dass traditionelle Energiequellen wie Kohle auslaufen und neue Branchen wie Rechenzentren ihren Stromverbrauch drastisch steigern. Der größte Netzbetreiber des Landes, PJM Interconnection, habe daher ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erlebt, das die Preise in die Höhe treibe. Bei der jüngsten Kapazitätsauktion stiegen die Preise für neue Stromkapazitäten von PJM im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent.
Die Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild. Einer Analyse des Lawrence Berkeley National Laboratory zufolge lässt sich die Versorgungslücke am schnellsten durch Solar- und Energiespeicherprojekte schließen. Diese Projekte machen den Großteil der Projekte aus, die derzeit auf den Netzanschluss warten. Mit anderen Worten: Das „Problem“, das Trump anprangert, ist in Wirklichkeit eine mögliche Lösung.
Die Kettenreaktion politischer Rückschritte
Seit seiner Rückkehr auf die politische Bühne hat Trump seinen Angriff auf saubere Energien nie eingestellt. Der von ihm propagierte „Great American Plan“ sah die direkte Abschaffung von Steuergutschriften für saubere Energie und die Streichung von Subventionen für den Kauf von Elektrofahrzeugen vor. Diese Maßnahmen waren in den vergangenen Jahren ein entscheidender Treiber der amerikanischen Energiewende, doch nun stehen sie vor einer vollständigen Umkehr.
Erschwerend kam hinzu, dass Trumps Regierung auch Zölle auf Stahl und Kupfer verhängte – wichtige Materialien für Windkraftanlagen und Solarmodule. Die Zollerhöhungen führten zu höheren Baukosten für diese Projekte und belasteten die Entwicklung der Branche zusätzlich.
Darüber hinaus postete US-Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins am 18. August auf X (ehemals Twitter), dass das Landwirtschaftsministerium den Bau von Solar- und Windkraftanlagen auf Ackerland nicht länger unterstützen werde. Anfang des Monats beklagte sich Nevadas Gouverneur Joe Lombardo öffentlich darüber, dass lokale Solarprojekte aufgrund von Präsidialerlassen auf Eis gelegt worden seien, was seiner Meinung nach das Wirtschaftswachstum und die Netzstabilität erheblich behinderten.
Eine ausgewogene Perspektive
Oberflächlich betrachtet scheint Trumps Logik darin zu bestehen, „Ackerland zu schützen und Energiesicherheit zu gewährleisten“, doch auf einer tieferen Ebene ist sie von politischen Positionen und der Befriedigung traditioneller Energieinteressen beeinflusst. Saubere Energie ist in den USA nicht nur ein Umweltthema – sie ist auch mit der zukünftigen Industriedynamik und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit verknüpft.
Der Strommarkt steht tatsächlich vor Herausforderungen hinsichtlich Angebot und Nachfrage. Doch die alleinige Schuld auf Solar- und Windenergie zu schieben, wäre zu einfach. Tatsächlich können dezentrale Solarenergie und Energiespeicherung die Lücke flexibel schließen und das Netz entlasten. Ein Stopp der Entwicklung erneuerbarer Energien in den USA in diesem kritischen Moment mag zwar einige traditionelle Energieunternehmen vorübergehend erfreuen, langfristig könnte es aber die Wettbewerbsfähigkeit des Landes im Bereich der erneuerbaren Energien schwächen.
Weltweit verstärken sowohl Europa als auch China ihre Bemühungen im Bereich der erneuerbaren Energien. Sollten die USA in diesem Sektor die Notbremse ziehen, könnte dies bedeuten, dass das Land künftig einen höheren Preis zahlen muss, um aufzuholen.